Eine KI-Antwort klingt oft schnell schlüssig. Für eine gute Recherche reicht das aber nicht: Du musst nachvollziehen können, woher eine Aussage kommt, und die angegebenen Quellen selbst prüfen. Genau dafür betreibt die MOS München mit Kompass eine eigene KI-Suche auf dem Schulserver.
Was ist die KI-Suchmaschine Kompass?
Kurzdefinition: Kompass ist die schuleigene, quelloffene und selbstgehostete KI-Suchmaschine der MOS München. Sie bietet eine Chat-Oberfläche, beantwortet Fragen mit Quellenangaben und läuft vollständig auf dem Schulserver. Dadurch bleiben Schülerdaten im Haus und gehen nicht an externe KI-Anbieter. Kompass basiert auf Perplexica und ist seit etwa Dezember 2025 online.

Du kannst deine Frage in zusammenhängenden Sätzen stellen und die Antwort als Einstieg in eine Recherche nutzen. Der entscheidende Zusatz sind die Quellenangaben: Sie zeigen dir Ansatzpunkte, an denen du weiterlesen, vergleichen und kontrollieren kannst. Kompass soll deshalb nicht das eigene Denken ersetzen, sondern einen nachvollziehbaren Weg von der Frage zu den Quellen eröffnen.
Wie unterscheidet sich Kompass von Google und ChatGPT?
Kompass verbindet eine KI-gestützte Antwort mit Quellenangaben in einer Chat-Oberfläche. Bei einer klassischen Google-Suche arbeitest du zunächst mit einer Trefferliste und öffnest passende Seiten selbst. In einer allgemeinen Chat-Oberfläche wie ChatGPT steht dagegen häufig das Gespräch mit dem Sprachmodell im Vordergrund. Kompass ist für die Recherche so angelegt, dass Antwort und Quellen gemeinsam betrachtet werden.
Hinzu kommt der Betriebsort: Kompass läuft vollständig auf dem schuleigenen Server und basiert auf der Open-Source-Software Perplexica. Für die schuleigene KI-Suche ist deshalb kein Konto bei einem externen KI-Anbieter nötig. Die Schule behauptet damit nicht, andere Angebote seien verboten. Sie stellt eine eigene Alternative bereit, bei der die Kontrolle über die verarbeiteten Schülerdaten bei der Schule bleibt.
Warum sind Quellenangaben noch kein Wahrheitsbeweis?
Eine Quellenangabe macht eine Antwort überprüfbar, beweist aber nicht automatisch, dass jede Aussage richtig oder vollständig ist. Du solltest die angegebene Quelle selbst aufrufen und kontrollieren, ob sie die Aussage tatsächlich trägt. Erst dieser Schritt macht aus einer bequem erzeugten Antwort eine bewusste Recherche.
Für eine erste Quellenprüfung helfen dir vier einfache Fragen:
- Wer veröffentlicht die Information, und ist die verantwortliche Stelle erkennbar?
- Passt die Aussage in der Quelle wirklich zu deiner Frage?
- Ist erkennbar, auf welchen Zeitraum sich die Information bezieht?
- Findest du die zentrale Aussage auch in einer weiteren geeigneten Quelle?
Diese Prüfung bleibt deine Aufgabe. Gerade bei einem Rechercheauftrag zählt nicht nur ein fertiger Text. Wichtig ist auch, dass du deinen Weg erklären kannst: Welche Suchfrage hast du gestellt, welche Quellen hast du ausgewählt und warum hältst du sie für passend?
Wie kann ein Rechercheauftrag mit Kompass aussehen?
Ein möglicher Rechercheauftrag lässt sich als kurzer, überprüfbarer Arbeitsprozess gestalten. Du untersuchst dabei ein Thema aus dem Unterricht, dokumentierst die von Kompass genannten Quellen und formulierst am Ende eine eigene, begründete Antwort. Das ist ein Beispiel für den Einsatz des Werkzeugs, keine Beschreibung einer bestimmten Klasse oder bereits durchgeführten Aufgabe.
Welche Schritte gehören zum Beispielauftrag?
Zum Beispielauftrag gehören fünf Schritte: eine Leitfrage formulieren, die Kompass-Antwort lesen, Quellen aufrufen, deren Aussagen vergleichen und daraus eine eigene Antwort entwickeln.
- Formuliere eine offene Leitfrage zu deinem Unterrichtsthema. Statt nur nach einem Begriff zu fragen, kannst du etwa schreiben: „Welche unterschiedlichen Positionen gibt es zu [Thema], und auf welche Quellen stützen sie sich?“
- Stelle die Frage in Kompass und lies die Antwort zunächst vollständig.
- Öffne mehrere angegebene Quellen. Notiere jeweils, welche Aussage du dort tatsächlich wiederfindest.
- Vergleiche die Quellen: Wo stimmen sie überein, wo setzen sie unterschiedliche Schwerpunkte und welche Frage bleibt offen?
- Schreibe deine eigene Antwort. Trenne dabei klar zwischen Aussagen aus den Quellen und deiner Schlussfolgerung.
So wird Kompass nicht zur Abkürzung an den Quellen vorbei. Die KI-Suche hilft dir beim Einstieg und bei der Orientierung; die Auswahl, Prüfung und Einordnung übernimmst du. Auch eine gute Anschlussfrage entsteht aus deiner Lektüre: Wenn zwei Quellen verschiedene Aspekte betonen, kannst du gezielt danach fragen und anschließend erneut prüfen.
Was nimmt dir Kompass nicht ab?
Kompass nimmt dir weder das Lesen der Quellen noch die fachliche Bewertung und die eigene Formulierung ab. Eine übersichtlich präsentierte Antwort kann überzeugend wirken, doch ihre Qualität hängt davon ab, ob die Belege passen. Du bleibst dafür verantwortlich, Widersprüche zu erkennen, Begriffe zu klären und aus den gefundenen Informationen einen begründeten Text zu entwickeln.
Das ist zugleich eine wichtige Übung in Medienkompetenz: Du behandelst KI nicht als Autorität, sondern als Werkzeug. Quellenangaben ermöglichen dir, Aussagen zurückzuverfolgen. Kritisches Denken beginnt dann mit dem nächsten Prüfschritt, nicht mit dem Ende der KI-Antwort.
Warum gehören Datenschutz und Open Source zur Recherche?
Datenschutz und Open Source gehören bei Kompass zur technischen Grundlage: Perplexica ist quelloffen, der Dienst wird selbstgehostet und alle Verarbeitung läuft auf dem Schulserver. Schülerdaten werden nicht an externe KI-Anbieter weitergegeben. Diese Datenhoheit ist der Grund, warum die MOS für die KI-Suche eine eigene Infrastruktur bereitstellt.
Damit verbindet Kompass zwei Lernziele: Du kannst eine KI-gestützte Recherche mit sichtbaren Quellen erproben und zugleich darauf achten, wie ein digitales Werkzeug mit Daten umgeht. Beides gehört zu einem verantwortungsvollen Einsatz von KI in der Schule.
In dieser Serie
Jede Woche erscheint ein neuer Teil in der Kategorie „KI in der Schule“ auf diesem Blog. Im nächsten Teil lernst du das selbstgehostete Arbeitsbuch für das Arbeiten mit eigenen Materialien kennen.
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